Richtig Reifen wechseln – Wir zeigen, wie’s geht!

Jeweils im Frühjahr und im Herbst steht bei den Autofahrern ein immer wiederkehrendes Ritual an – der Wechsel der Sommer- und Winterreifen. Eine alte Faustregel besagt, dass Sommer- und Winterreifen jeweils „von O bis O“ gefahren werden sollten, also Sommerreifen von Ostern bis Oktober und Winterreifen von Oktober bis Ostern. Die Werkstätten freut dieses jährliche Ritual, die Kosten für einen Radwechsel ohne Auswuchten belaufen sich auf bis zu 60 Euro. Sollen die Räder noch eingelagert werden, wird es noch kostspieliger. Um beim Reifenwechsel Geld zu sparen, nehmen zahlreiche Autofahrer den Reifenwechsel selbst in die Hand, was bei einer gewissen Routine zum Kinderspiel wird. Wer zum ersten Mal allein seine Reifen wechseln möchte, sollte allerdings die folgenden Tipps und Tricks beachten.

Die richtige Zeit für den jährlichen Reifenwechsel

Die Faustregel „von O bis O“ ist ein Merksatz zur Orientierung für Autofahrer, wann die Reifen gewechselt werden müssen, jedoch keine gesetzliche Regelung. Der Gesetzgeber sieht keinen festen zeitlichen Termin vor, wann genau auf Sommer- oder Winterreifen umgestiegen werden muss. Die gesetzliche Regelung nach §2 Absatz 3a StVO sieht nur vor, dass an einem Kfz bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte nur Reifen verwendet werden dürfen, die die in Anhang II Nummer 2.2 der Richtlinie 92/23/EWG des Rates vom 31. März 1992 über Reifen von Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeuganhängern und über ihre Montage beschriebenen Eigenschaften erfüllen (M+S-Reifen). Präzisiert wurden diese Vorgaben in der Richtlinie 2005/11/EG. Die Regelung des Gesetzgebers bezieht sich also nur auf die Witterungsverhältnisse, bei welchen die Verwendung eines Winterreifens (M+S-Reifen) zwingend vorgeschrieben ist.

Achten Sie auf die Profiltiefe

Die Witterungsverhältnisse haben allerdings nicht den alleinigen Einfluss, der ausschlaggebend dafür ist, wann der Reifenwechsel vorgenommen werden muss. Auch wenn das Profil zu sehr abgefahren ist, müssen Autobesitzer die Reifen wechseln. Die Mindestprofiltiefe beträgt 1,6 Millimeter und kann entweder mit einer geeigneten Schieblehre gemessen werden oder mit einer Ein-Euro-Münze, die in das Profil des Reifens gesteckt wird. Ist der goldfarbene Rand zu erkennen, sollte der Reifenwechsel vorgenommen werden. Allerdings empfiehlt es sich, bereits vorher die Reifen zu wechseln, da bei abnehmender Profiltiefe die Haftungseigenschaften sinken und das Risiko des Aquaplanings steigt.

Reifenwechsel oder Räderwechsel?

Wenn vom Reifenwechsel gesprochen wird, ist eigentlich der Wechsel der Kompletträder gemeint. Das Aufziehen der Reifen auf Felgen in der heimischen Garage ist zwar möglich, allerdings ist hierfür spezielles Equipment nötig wie etwa eine spezielle Reifenmontiermaschine. Bei einigen Reifenarten ist es zwar möglich, diese mit geeigneten Montiereisen abzuziehen und wieder aufzuziehen, doch oftmals sind Beschädigungen von Felge und Reifen die Folge. Besonders bei Alufelgen ist von Experimenten abzuraten. Zudem müssen die Kompletträder noch ausgewuchtet werden, was vom Fachmann übernommen werden sollte. Der umgangssprachliche Reifenwechsel ist also eigentlich ein Räderwechsel.

Was Sie für den Reifenwechsel benötigen

Der Räderwechsel ist ungleich einfacher. Bevor die Arbeiten beginnen, sollten Sie folgende Utensilien bereitlegen:

• ein Schraubenschlüssel, ein Radkreuz oder idealerweise ein Drehmomentschlüssel
• ein geeigneter Wagenheber
• idealerweise Unterstellböcke

Vor dem Reifenwechsel sollten, bei neuen Rädern, zudem die Austauschräder ausgewuchtet werden. Wird dies versäumt, äußert sich dies durch ein deutlich unruhigeres Fahrverhalten, das selbst bei geringeren Geschwindigkeiten durch ein Vibrieren am Lenkrad zu spüren ist und wodurch die Sicherheit beim Fahren beeinträchtigt wird. Zudem nutzen sich die Reifen schneller ab. Die Räder selbst sind mit dieser Vorbereitung nach wenigen Handgriffen gewechselt.

Zunächst wird der Wagenheber unter das Fahrzeug geführt. Es sollte beachtet werden, dass der Wagenheber möglichst auf einer ebenen Fläche steht und in der Nähe der Achse und nicht mittig angesetzt werden muss, da der Wagen sonst nicht stabil steht. Von der Verwendung des Wagenhebers, der zumeist im Kofferraum für Notfälle mitgeführt wird, ist ebenfalls abzuraten, da dieser zu wenig Stabilität bietet. Geeignet ist vielmehr ein hydraulischer Wagenheber oder Rangierwagenheber und idealerweise ein stabiler Unterstellbock, der ebenfalls auf einer ebenen Fläche steht.

Wie Sie Ihre Reifen wechseln

1. Das Fahrzeug sicher abstellen

Bevor das Fahrzeug zum Reifenwechsel angehoben wird, sollte der Wagen mit der Handbremse gegen das Wegrollen gesichert und ein Gang eingelegt werden (bei einem Automatikgetriebe der Hebel auf Position „P“). Steht der Wagen auch auf festem und ebenem Untergrund, kann es weitergehen.

2. Radmuttern lösen

Lösen Sie die Radbolzen oder Radmuttern des betreffenden Rades an, wenn der Wagen noch auf dem Boden steht und sich der Reifen so noch nicht drehen kann. Wenn das Rad in der Luft hängt, wird ein Lösen der Schrauben oder Muttern schwierig, da das Rad schnell mit dreht und die Kraft sich schnell auf Ihren Wagenheber verlagert. Dieser könnte im ungünstigsten Fall wegrutschen.

3. Das Fahrzeug richtig anheben

Abdeckung der Wagenheberaufnahme

Abdeckung der Wagenheberaufnahme

Sind die Bolzen gelöst, kann der Wagen angehoben werden. Hier setzen Sie den Wagenheber unter die Wagenheberaufnahme Ihres Fahrzeuges. Diese Wagenheberaufnahme können Sie der Bedienungsanleitung Ihres Fahrzeuges entnehmen. Nutzen Sie eine Gummiauflage für den Wageheberteller, um den Unterboden Ihres Fahrzeuges nicht zu verkratzen. Hebeln oder Kurbeln Sie das Fahrzeug soweit in die Höhe, dass der Reifen circa 2 Zentimeter in der Luft hängt.

4. Das alte Rad abschrauben

Ist das Fahrzeug angehoben und hat einen stabilen Stand, können Sie die Radmuttern abschrauben. Beginnen Sie hier mit der untersten Radmutter, die oberste Radmutter sollte zuletzt gelöst werden. So kann das Rad bequem abgenommen werden. Die Radnabe können Sie mit einer Drahtbürste von Dreck, Salz und Bremsstaub reinigen und anschließend ein wenig Kupferpaste auftragen, damit das Rad nicht an der Nabe „festbackt“. So machen Sie sich den Reifenwechsel beim nächsten Mal noch einfacher.

5. Das neue Rad anschrauben

Das Austauschrad wird nun montiert, wobei die Radbolzen oder Radmuttern nicht festgezogen werden, wenn das Rad in der Luft hängt. Schrauben Sie die Radmuttern über Kreuz an, um das Rad möglichst gleichmäßig zu befestigen. Festgeziehen sollten Sie die Radmuttern aber ausschließlich unter Last, also wenn das Fahrzeug wieder auf dem Boden steht.

6. Das Fahrzeug herunterlassen

Kein großer Aufwand, achten Sie aber darauf, dass nichts unter dem Fahrzeug steht (Unterstellböcke?) und lassen Sie Ihren Wagen möglichst langsam und vorsichtig herunter. Mögliche Geräusche kommen von der Feder des Fahrwerkes, die wieder unter Last steht.

7. Radmuttern festziehen

Achten Sie darauf, dass die Bolzen der Räder sternförmig angezogen werden, also immer der dem letzten Bolzen gegenüberliegende Bolzen. Zudem gilt es, ein bestimmtes Drehmoment einzuhalten. Von Fahrzeugmodell zu Fahrzeugmodell ist ein unterschiedliches Drehmoment vorgeschrieben und kann von 90 Newtonmetern bis hin zu 180 Newtonmetern reichen. Aus diesem Grund ist es angeraten, einen Drehmomentschlüssel zu verwenden, wenn Sie Ihre Reifen wechseln. Welches Drehmoment für Ihren Wagen gilt, können Sie der Betriebsanleitung entnehmen.

8. Wichtig: Nach 50km die Räder nachziehen

Wie auch beim Reifenwechsel bei der Fachwerkstatt sollten Sie die Radbolzen nach gut 50km Fahrt noch einmal nachziehen, da sich die Bolzen während der Fahrt noch etwas lockern können. Auch wenn es oftmals ohne Nachziehen auch gut geht, sollten Sie auf „Horrorgeschichten“ anderer Autofahrer hören: Denn wenn sich das Rad während der Fahrt lockert, kann das Fahrzeug unkontrollierbar werden.

Seitenwechsel oder nicht?

Die abmontierten Reifen werden idealerweise gekennzeichnet, bevor sie eingelagert werden, damit ersichtlich ist, an welcher Achse und auf welcher Achsseite sie gelaufen sind, um sie an die gleiche Stelle zu montieren, wenn Autobesitzer das nächste Mal ihre Reifen wechseln. Denn je nach Achse verschleißen die Reifen unterschiedlich. Gern können Sie auch einen Seitenwechsel der Reifen vornehmen, was die Laufzeit der Reifen verlängern kann und eine höhere Laufruhe ermöglicht. Achten Sie dabei darauf, dass der Seitenwechsel nur bei Reifen vorgenommen werden sollte, die nicht laufrichtungsgebunden sind.